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© 2018 by Wortfront

1890 (Lyrics)                     Text & Musik: Roger Stein

 

Berner Oberland,

ein armer Bauernhof,
ne Frau hält einen Säugling in der Hand

man tauft ihn Fritz 

und er ist die Nummer zehn

auf dem Gesicht der jungen Frau kann man ihren Kummer seh'n

Die Jahre geh'n 

ins Land – in Sorgen und in Not

es gibt nicht viel zum Leben, es gibt nur Käse, Milch und Brot

Aus hartem Schrot 

sind die Bauern, die hier um die Butter ringen

und als Kleinster muss Fritz den Pferden Futter bringen

Die Schule ist nicht wichtig, zwei Jahre müssen reichen

solang man rechnen kann, kann man alles and’re streichen

Er ist ein stilles Kind, was soll bloss aus ihm werden?

Und Freunde hat er keine – er kann nur gut mit Pferden

 

1914
Prinz Ferdinand ist tot

Der grosse Krieg beginnt, Europas Erde färbt sich rot

Auch die grossen Brüder nehmen nun Gewehr und Mützen

um das kleine bisschen Heimat vor dem Rest der Welt zu schützen
Man hört, jenseits der Linien bei St-Ursanne und Laufen

liegen Menschen und Rosse auf grossen Leichenhaufen

Da ist Fritz schon unterwegs, mit Rucksack und mit Stecken

Für ihn ist eines klar: Pferde dürfen nicht verrecken!

Was er dort wirklich sah, darüber hat er nie gesprochen

Drei halbtote Stuten, nur noch Haut und Knochen

zieht er hinter sich, als er dem kleinen Hof zuwankt

und die Mutter dem Herrgott für sein Wiederkehren dankt

Wie die Leute im Dorf am ander’n Tag dann lachten:

Die Rosse, die sind hin, 

die kannst du höchstens schlachten

Doch Fritz sagt nur: Das wird schon wieder werden

Er konnte nicht mit Menschen 

er konnte konnte nur mit Pferden

 

Und so holt er Tier um Tier aus Stacheldraht und Ketten

Die Menschen lässt er liegen, nur die Pferde will er retten 

Wie wundersam bei ihm selbst die Kränksten noch genesen

dabei kann er doch nur rechnen – er kann nicht mal lesen

Doch er pflegt seine Tiere, die kaputten und die kranken

und verkauft dann die Gesunden zu gutem Geld in Franken

denn das Rechnen ist das Wichtigste – das sagte Vater gleich

und als der Krieg vorbei ist, ist er reich!

 

1920 

Fritz ist jetzt gemacht, wer hätte das gedacht,

er hat’s zu was gebracht

Er hat 'nen eignen Hof und 'nen großen Viehbestand

und die allerschönsten Stuten im ganzen Oberland

Er hat auch eine Frau, damit irgendwer am Herd ist

wenn auch für ihn ein Pferd bei weitem viel mehr wert ist

Sie wirft ihm 13 Kinder, es überleben sieben

Kind ist Kind und Frau ist Frau – aber Pferde kann man lieben

 

Kind Nummer sechs kriegt zu essen und 'nen Namen

er heisst Rudi 

und der Pfarrer sagte Amen

Und damit ist’s getan, und bald kann Rudi stehen

und ab dem Moment muss Rudi halt selber weiter sehen

1939 – Rudi ist noch keine zwanzig

die nächsten Schüsse fall'n und bald darauf fällt Danzig

Ein neuer Krieg beginnt und alles ist beim Alten

Rudi steht im Kalten, um die Grenzlinie zu halten

Die Winter, die sind lang, 

zu lang für kurze Lieder

selbst die Schwalben kommen diesmal 

meistens nicht mehr wieder

Mutter ist sehr einsam und leidet an Beschwerden

und Fritz redet kaum – er spricht nur gern mit Pferden

1946  

Mutter war sehr krank

sie haben sie begraben 

bei der alten Eichenbank

Das ist ein schöner Platz, 

der gebührt ihr auch, der Guten

und neben ihr da ruhten 

sechs Kinder und drei Stuten

1950  - Die Zeiten werden besser

und auch kleinen Leuten bleibt wieder Butter auf dem Messer

Wirtschaft, Industrie atmen wieder rege

und von den Söhnen geht nun jeder seine eig'nen Wege
Rudi ist zurück 

und hat ein bisschen Glück

er findet eine Stelle in der Eisenbahnfabrik

Den Aufschwung im Blick

aber vierzehn Stunden Schicht

wischt sich 

mit schwarzen Händen seinen Schweiss vom Gesicht

Ohne Tageslicht

nur schuften und machen

das Mädchen der Kantine hat ein herzliches Lachen

Er nur staubige Sachen 

und ist eher verlegen

aber Liebe kommt oft auf einfachen Wegen

Und einfache Wege sind manchmal Wege fürs Leben

Es ist ’ne kleine Kirche, wo sie sich die Ringe geben

Eine Kutsche, zwei Stuten, die Mähnen im Wind

und schon ein Jahr später kommt das erste Kind

Wie das Leben halt so will, im Stall wird es leer

Auf dem Hof wird's langsam still, und Fritz atmet schwer

Von den Kindern kommt jetzt kaum wer den Alten besuchen

nur manchmal am Sonntag mit Enkeln zum Kuchen

Fritz sass auf der Eichenbank und blickte auf den Berg

neben ihm ein Enkelbub, ein ziemlich kleiner Zwerg

Der alte Mann sprach sorgenvoll: Was wird aus all dem werden?

Und bald darauf begrub man ihn neben seinen Pferden

Der Enkelbub verstand nicht viel, behielt den Rest für sich.

Das ist jetzt viele Jahre her, doch dieser Bub war ich

Menschen sind halt, wie sie sind, ich sag’s euch, so wie's ist: 

Tief in meinem Herzen – riecht's noch nach Pferdemist.